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Truck & Trailer Welt

Historischer Schulterschluss: Anhängerindustrie fordert Überprüfung der EU-CO₂-Ziele.
© Krone

CO₂-Ziele: Trailerhersteller fordern Kurskorrektur

In der europäischen Transportbranche gibt es einen historischen Schulterschluss. Die CEOs von 30 führenden Anhängerherstellern kamen in Belgien zusammen. Genauer gesagt trafen sie sich in Koningshooikt bei Lier. Obwohl sie im Alltag harte Wettbewerber sind, sprechen sie nun mit einer Stimme. Gemeinsam unterzeichneten sie im Beisein von zwei Europaabgeordneten eine wichtige Petition. Konkret fordern sie die Überprüfung der neuen CO₂-Verordnung (EU) 2024/1610.

Die Branche steht grundsätzlich hinter den Klimazielen der EU. Allerdings warnt sie eindringlich vor der aktuellen Gesetzgebung, weil diese das Gegenteil bewirkt. Zudem drohen höhere Emissionen und der Verlust von 70.000 Arbeitsplätzen. Schließlich könnte dies die Deindustrialisierung Europas beschleunigen.

Das VECTO-Problem: Simulation gegen Realität

Die Verordnung weitet die CO₂-Vorgaben auf Anhänger und Trailer aus. Obwohl diese selbst kein CO₂ ausstoßen. Trotzdem werden die Hersteller für simulierte Emissionen verantwortlich gemacht. Diese Werte berechnet das EU-eigene VECTO-Tool. Dabei nutzt das System standardisierte Lasten und Fahrzyklen.

Die Hersteller argumentieren jedoch, dass diese Methode an der Praxis vorbeigeht. Folglich kritisieren sie diese vier Punkte:
• Keine Flexibilität: Vielfältige Einsätze werden nicht berücksichtigt.
• Fehlende Logik: Elektro-LKW bleiben im Tool unberücksichtigt.
• Konstruktions-Zwang: Weniger Ladekapazität führt zu mehr Fahrten. Deshalb steigt das CO₂.
• Existenzbedrohende Strafen: Ab 2030 drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe.

Die 5 Kernforderungen der Trailer-Branche

Deshalb fordert die unterzeichnete Petition eine sofortige Anpassung der Regeln:
• Überprüfung vorziehen: Die Prüfung nach Artikel 15 muss von 2027 auf 2026 vorgezogen werden. Zudem müssen die Flottenziele sinken.
• Schrittweise Einführung: Die Ziele müssen ab Juli 2030 schrittweise kommen, um Arbeitsplätze zu sichern.
• Moratorium für Strafen: Die Strafen müssen ausgesetzt werden, weil sie zu hoch sind.
• VECTO-Überarbeitung: Das Tool muss reformiert werden, damit faire Vergleiche möglich sind.
• Korrektur des Gutschrift-Systems: Das System ist wirkungslos, da Technologien in der Masse fehlen.

Stimmen aus Politik und Industrie

Die Abgeordneten und Verbandssprecher finden deutliche Worte für die aktuelle Situation in Brüssel:„Dekarbonisierung darf nicht zur Deindustrialisierung werden. […] Ich unterstütze eine ernsthafte Überprüfung der derzeitigen Methodik – nicht, weil wir schwächere Regeln wollen, sondern weil wir Regeln wollen, die Emissionen senken und die europäische Industrie stärken“, so Kris Van Dijck, Mitglied des Europäischen Parlaments (Belgien).

„Man kann der europäischen Industrie nicht auftragen, den grünen Wandel anzuführen, und ihr zugleich den Wettbewerb unmöglich machen. […] Wir brauchen jetzt eine evidenzbasierte Überprüfung“, erklärt Jens Gieseke, Mitglied des Europäischen Parlaments (Deutschland).

„Heute haben dreißig Wettbewerber ihre Rivalität beiseitegelegt, um Brüssel eine einzige Botschaft zu senden. Wir fordern nicht weniger Klimaschutz. Wir fordern Regeln, die Emissionen senken, statt Hersteller für eine fehlerhafte Simulation zu bestrafen“, mahnt Gero Schulze Isfort, Sprecher der Streitgemeinschaft deutscher Anhängerhersteller.

Die europäische Anhängerindustrie fordert nun schnelles Handeln der Politik, um Planungs- und Investitionssicherheit für die kommenden Jahre zu gewährleisten.

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