Symbolisches Zeichen aus der Luft: Das Luftbild der SOS-Formation aus 16 Kögel-Trailern verdeutlicht den dringenden Appell der europäischen Aufliegerindustrie für technisch machbare und wirtschaftlich tragbare Klimaziele.
© Kögel
Kögel: SOS-Aktion in Burtenbach
Großer Protest beim Aufliegerhersteller Kögel in Burtenbach. Denn das Unternehmen macht mit einer öffentlichkeitswirksamen SOS-Aktion auf die drastischen Auswirkungen der EU-Regulierung VECTO aufmerksam.
Auch der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger nahm an der Veranstaltung teil. Er unterstützt den Hersteller bei der Forderung nach technisch erreichbaren CO₂-Zielen. Nur so lassen sich Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland langfristig sichern.
Was ist VECTO und wo liegt das Problem?
VECTO ist ein digitales Berechnungsmodell der Europäischen Union. Dieses Tool ordnet Aufliegern einen virtuellen CO₂-Wert zu. Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung (EU) 2024/1610. Diese sieht vor, dass der simulierte Wert bis 2030 bei Sattelaufliegern um 10 Prozent sinken muss. Bei Anhängern wird eine Senkung um 7,5 Prozent gefordert.
Aus Sicht der gesamten Branche entsteht daraus jedoch ein fundamentales Problem:
• Kein eigener Antrieb: Auflieger verursachen selbst überhaupt keine direkten CO₂-Emissionen.
• Reine Simulation: Die Bewertung basiert nicht auf echten Messungen im Fahrbetrieb.
• Realitätsfern: Das Tool ignoriert physikalische Grenzen sowie die reale Transportaufgabe.
• Drohende Folgen: Strafzahlungen, Preissteigerungen und Jobverluste
Nach Einschätzung führender europäischer Hersteller sind diese Reduktionsziele technisch aktuell nicht machbar. Für Kögel drohen dadurch immense Strafzahlungen von bis zu 64 Millionen Euro pro Jahr. Um diese Belastungen aufzufangen, könnten die Preise für Auflieger folglich um bis zu 50 Prozent steigen. Die wirtschaftlichen Folgen wären entlang der gesamten Lieferkette spürbar. Zudem sind branchenweit rund 70.000 Arbeitsplätze in der europäischen Aufliegerindustrie akut gefährdet.
Deshalb geraten auch die jüngsten Investitionen am Standort Burtenbach in Gefahr. Kögel investierte dort in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro. Damit wurden eine neue Fertigungslinie für Kühlfahrzeuge und eine zusätzliche Produktionshalle gebaut. Diese langfristige Entwicklung ist nun durch die VECTO-Regulierung bedroht.
„Das Letzte, was die Trailer-Branche jetzt braucht, sind überzogene Regulierungen aus Brüssel. Für viele Mittelständler stellt die EU-Vorgabe eine akute Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz dar“, findet auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger klare Worte.
Acht europäische Hersteller klagen gemeinsam
Aus diesem Grund haben inzwischen acht europäische Aufliegerhersteller Klage gegen die VECTO-Regulierung eingereicht. Dabei richtet sich der juristische Schritt nicht gegen den Klimaschutz. Vielmehr kämpfen die Unternehmen gegen Vorgaben, die in der Praxis nicht umsetzbar sind.
„Unsere langlebigen Leichtbaufahrzeuge senken seit Jahren den Kraftstoffverbrauch. Die aktuelle Regelung ignoriert jedoch die Realität der Transportbranche und setzt uns massiv unter Druck“, erklärt Markus Siegner, CEO der Kögel Trailer GmbH. Nötig seien stattdessen pragmatische Lösungen, die echten Klimaschutz mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit vereinen.