iC Plus ermittelt anhand der Druckänderungen der Luftfederung, wie stark das Fahrwerk beansprucht wurde.
© BPW
BPW misst Trailer-Belastung per Software
Das neue Road Condition Monitoring (RCM) von BPW wertet die Druckschwankungen der Luftfederung aus, um die reale Belastung von Trailern softwarebasiert und ohne zusätzliche Sensoren zu dokumentieren.
Bei der Bewertung von Trailern als Investitionsgüter stieß das Flottenmanagement bisher an eine Grenze. Denn der Kilometerzähler erfasst lediglich die gefahrene Distanz, nicht aber die qualitative Beanspruchung des Fahrzeugs.
Ein Trailer im reinen Autobahn-Fernverkehr mit 500.000 Kilometern weist oft einen besseren Verschleißzustand auf als ein Fahrzeug mit geringerer Laufleistung im Baustellenverkehr. Schlechte Wegstrecken, Schlaglöcher und häufiges Rangieren unter hoher Last belasten das Fahrwerk mechanisch besonders stark. Mit dem Road Condition Monitoring (RCM) stellt die BPW Bergische Achsen KG nun eine softwarebasierte Funktion vor, die diese Belastungsunterschiede digital erfasst.
Funktionsweise: Belastungsanalyse über die Luftfederung
Das System integriert sich direkt in die bestehende Trailerplattform iC Plus. Dieser technische Ansatz verzichtet komplett auf zusätzliche Hardware, Verkabelungen oder Batterien. Stattdessen nutzt die Software die bereits im Fahrzeug vorhandenen Daten der elektronischen Luftfederung:
• Druckänderungen erfassen: Beim Überfahren von Bodenunebenheiten verändern sich die Druckverhältnisse in den Luftfederbälgen.
• Intensität berechnen: Das System analysiert die Anzahl und Intensität dieser Druckschwankungen. Daraus bestimmt es die mechanische Arbeit des Fahrwerks.
• Profile erstellen: Jeder Kilometer wird einer Belastungsklasse zugeordnet. Unter Einbeziehung des Beladungszustands (leicht, mittel oder schwer) entsteht ein fortlaufendes Nutzungsprofil.
Die Auswertung wird im Telematikportal Cargofleet3 von idem telematics übersichtlich dargestellt. Nutzer sehen die Daten in Form von Diagrammen und einer dreistufigen Ampel-Symbolik.
Der softwarebasierte Ansatz im Fuhrparkalltag
Aus Sicht des Herstellers bietet die rein softwareseitige Bereitstellung erhebliche Vorteile. Da keine neuen mechanischen Komponenten nachgerüstet werden müssen, entfallen auch zusätzliche Wartungsarbeiten oder Ausfallrisiken im Betrieb.
Laut Jannis Schoger aus der Technischen Anwendungsberatung Digitale Lösungen bei BPW liefert das Belastungsprofil Flottenbetreibern eine dokumentierte Grundlage. Dadurch lassen sich Wartungsintervalle, der operative Einsatz und die Fahrwerksauslegung künftiger Fahrzeuge präziser abstimmen.
Anwendungsbereiche für Transport- und Leasingunternehmen
Die Ermittlung objektiver Fahrprofil-Daten bietet für unterschiedliche Akteure in der Transportlogistik strategische Vorteile:
• Leasing und Vermietung: Das Belastungsprofil zeigt sofort, ob Fahrzeuge vertragskonform eingesetzt oder übermäßigen Verschleißbedingungen ausgesetzt wurden. Zudem schafft es die Basis für nutzungsabhängige Tarifmodelle.
• Gebrauchtwagenmarkt: Transportunternehmen können einen materialschonenden Einsatz beim Wiederverkauf des Trailers anhand des digitalen Profils lückenlos nachweisen.
• Schadens- und Garantieabwicklung: Im Fall von Fahrwerksschäden liefert die Datenebene zusätzliche Parameter für die Ursachenanalyse. Dies versachlicht die Prüfung von Gewährleistungsansprüchen.
• Fahrzeugspezifikation: Zeigt das Profil regelmäßige Fahrten auf schlechten Straßen? Dann kann die nächste Fahrzeuggeneration gezielt mit robusteren Komponenten bestellt werden. Bei reinen Fernverkehrsprofilen lässt sich stattdessen das Eigengewicht nutzlastoptimiert reduzieren.
Einbindung in das digitale Asset Management
Das Road Condition Monitoring ergänzt die bestehenden Funktionen der iC-Plus-Plattform. Dazu gehören bereits eine digitale Fahrzeugakte, ein Wartungskalender sowie die Achslastanzeige. Auch Systeme zur Bremsanomalie-Erkennung und Bremsbelagverschleiß-Schätzung sind integriert.
Die Kombination dieser Messdaten unterstützt den Übergang zu einem vorausschauenden Flottenmanagement. Nutzern des Telematikportals Cargofleet3 wird die Funktion per Software-Update zur Verfügung gestellt. Bei Neufahrzeugen sowie Systemnachrüstungen ist die Portalnutzung im ersten Jahr gebührenfrei enthalten.