Der Mercedes-Benz eSprinter mit Kiesling-Kühlaufbau im Praxistest
© Kiesling
E-Kühllogistik für die Münchner City
Ein vollelektrischer Kühltransporter zeigt im harten Praxisalltag, wie die Münchner Innenstadt zuverlässig mit Frischware beliefert wird. Die Veredelungsmetzgerei Gut Granerhof setzt dafür auf einen Mercedes-Benz eSprinter mit einem innovativen Kiesling-Kühlaufbau.
Das Ergebnis nach den ersten Monaten im urbanen Logistikeinsatz fällt durchweg positiv aus.
Frischequalität dank Solarenergie und High-Tech-Kühlaufbau
Das Gut Granerhof in Peißenberg/Böbing steht für hochwertige, handwerklich hergestellte Fleisch- und Wurstspezialitäten. Da Regionalität, Tierwohl und Ressourcenschonung fest in der Firmenphilosophie verankert sind, war die Umstellung auf einen emissionsfreien Transport der nächste logische Schritt. Die Metzgerei nutzt für die Produktion und das Laden des Fuhrparks eigenen Strom aus einer 300 kWp-Photovoltaikanlage mit einem 50 kWh-Batteriespeicher.
Bei der Fahrzeugauswahl fiel die Entscheidung auf ein echtes Branchen-Gespann: Einen vollelektrischen Mercedes-Benz eSprinter, kombiniert mit einem gewichtsoptimierten Kühlaufbau der Kiesling Fahrzeugbau GmbH und der vollelektrischen Kühlmaschine E-200-50 MAX von Thermo King. Der langlebige Kiesling-Aufbau punktet zudem beim Thema Nachhaltigkeit: Er glänzt mit einer TÜV-geprüften Recyclingquote von mindestens 85 Prozent sowie einer Wiederverwertungsquote von über 95 Prozent. Realisiert wurde das zukunftsweisende Projekt gemeinsam mit dem Mercedes-Benz Transporter-Partner Autohaus HORNUNG.
Das Tourenprofil: Täglicher City-Einsatz im Detail
Seit dem Start im Mai 2026 beliefert das E-Fahrzeug die Gastronomie im Raum München. Der typische Arbeitstag des Elektro-Kühltransporters gestaltet sich wie folgt:
• Fahrtstrecke: Täglich rund 150 bis 180 Kilometer von Peißenberg direkt in die Münchner Innenstadt.
• Zeitfenster: Die Tour startet morgens gegen 7:30 Uhr und endet nach etwa sechs Stunden um 13:30 Uhr auf dem Betriebshof.
• Kundenstopps: Vier bis fünf Gastronomiebetriebe werden pro Fahrt angesteuert.
• Laderaum-Öffnungen: Pro Stopp wird die Heck- bzw. Seitentür bis zu dreimal für jeweils circa 60 Sekunden geöffnet.
• Temperaturstabilität: Die Solltemperatur ist auf +1 °C eingestellt. Die Kühlmaschine schaltet sich bei 0 °C ab und springt bei +4 °C automatisch wieder an, um die Kühlkette lückenlos zu wahren.
Wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Dieselpreis
Neben den ökologischen Vorteilen überzeugt das Konzept den Granerhof vor allem wirtschaftlich. Durch steigende Kraftstoffpreise rechnet sich der Betrieb über die eigene PV-Anlage schnell. „Für uns ist das Fahrzeug eine vollwertige Alternative zum Diesel“, erklärt Betriebsleiter Tobias Ende.
Die serienmäßige Geschwindigkeitsbegrenzung des eSprinters auf 90 km/h reicht für das Einsatzprofil völlig aus und schont die Batteriereserven. Mit durchgehend aktiver Kühlung erreicht der Transporter eine Praxis-Reichweite von rund 200 Kilometern. Bleibt die Kühlung auf dem Rückweg aus, sind sogar bis zu 220 Kilometer realisierbar. Nach der Rückkehr verfügt der Akku meist noch über eine sichere Reserve von 15 bis 30 Prozent. Geladen wird der Stromer unkompliziert über Nacht an einer eigenen 11-kW-AC-Wallbox auf dem Hof, was den Betrieb völlig unabhängig von öffentlicher Ladeinfrastruktur macht.
Hitzetest bei über 30 Grad mit Bravour bestanden
Eine echte Bewährungsprobe markierte die extreme Hitzewelle im Sommer 2026. Trotz Außentemperaturen von über 30 °C blieb die Ware optimal gekühlt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im konsequenten Vorkühlen des Aufbaus über das Stromnetz vor Fahrtbeginn. Dadurch harmonieren die hochwertige Isolierung von Kiesling und die Thermo-King-Kühlmaschine perfekt. Das Fahrzeug ist in dieser Konfiguration optimal auf den Frischdienst-Einsatz ausgelegt, für Tiefkühltransporte ist diese Variante hingegen nicht geeignet.
Fazit: E-Kühllogistik funktioniert im passenden Profil
Das Praxisbeispiel zeigt deutlich: Regionale Frische-Liefertouren mit planbaren Distanzen lassen sich heute ohne Zwischenladen komplett elektrisch und wirtschaftlich abbilden. Das Gut Granerhof würde sich jederzeit wieder für diese flüsterleise und saubere Logistiklösung entscheiden.
Die Tourendaten im Überblick:
• Ladung: Fleisch- und Wurstwaren (Frischdienst)
• Tagesfahrleistung: ca. 150 bis 180 km
• Reichweite (mit Kühlung): ca. 200 km
• Reichweite (ohne Rückfahrt-Kühlung): ca. 220 km
• Dauer & Stopps: ca. 6 Stunden mit 4 bis 5 Stopps
• Batteriestand (Anfang / Ende): 100 % / ca. 15 bis 30 %
• Eingestellte Solltemperatur: +1 °C
Praxis-Empfehlungen für den Alltag:
• Den Kühlaufbau vor dem Beladen immer über den Netzstecker auf Transporttemperatur vorkühlen.
• Die Türöffnungszeiten bei den Kunden so kurz wie möglich halten.