Bei der Bidi-eTruck-Premiere von Projekt SPIRIT-E in Regensburg (v.l.): Thomas Ille, Leiter Early Pilots & Innovation Partnering bei MAN Truck & Bus, Conrad Mummert, Lead SBRS Europe, Markus Schmid, Geschäftsführer Spedition Schmid, Sandra Wimmer, Vorstandsmitglied REWAG, Prof. Dr.-Ing Markus Lienkamp, Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik TUM
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MAN: Powerbank auf Rädern
Mit dem Forschungsprojekt SPIRIT-E hebt MAN Truck & Bus die Elektrifizierung des Güterverkehrs auf ein neues Niveau. Als erster europäischer Nutzfahrzeughersteller demonstrierte das Unternehmen öffentlich bidirektionales Laden unter realen Bedingungen – auf dem Betriebsgelände einer Spedition in Bayern. Zum Einsatz kam ein batterie-elektrischer MAN eTGX mit 480 kWh nutzbarer Energie.
Die Technologie ermöglicht es, dass E-LKW nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch gezielt wieder ins Energiesystem zurückspeisen. Damit entwickeln sich die Fahrzeuge zu mobilen Stromspeichern – ein Ansatz, der sowohl die Wirtschaftlichkeit im Flottenbetrieb als auch die Stabilität der Energieversorgung verbessern kann.
„Powerbanks auf Rädern“ für die Energiewende
„Bidirektionales Laden verändert die Rolle des Elektro-LKW. Unsere eTrucks werden sozusagen zu Powerbanks auf Rädern“, erklärt Georg Grüneißl. Die Technologie könne helfen, Energiekosten zu senken und gleichzeitig das Energiesystem zu stärken.
Im Fokus stehen aktuell drei zentrale Anwendungsfälle: Vehicle-to-Site (V2S), Vehicle-to-Vehicle (V2V) und Vehicle-to-Grid (V2G). Besonders im betrieblichen Umfeld können Unternehmen den in der Batterie gespeicherten Strom direkt nutzen – etwa zur Reduzierung von Lastspitzen, zur Optimierung des Eigenverbrauchs von Photovoltaik oder zur Unterstützung der Infrastruktur am Standort.
Wirtschaftliche Vorteile für Flottenbetreiber
Durch den intelligenten Einsatz der Energie lassen sich laut Projekt Einsparungen von rund zehn bis 20 Prozent der Stromkosten erzielen. Bei einer jährlichen Laufleistung von 100.000 Kilometern entspricht das rechnerisch bis zu 20.000 Kilometern ohne zusätzliche Energiekosten.
Mit dem Vehicle-to-Grid-Ansatz eröffnet sich darüber hinaus ein weiteres Potenzial: E-LKW können Strom ins öffentliche Netz einspeisen – beispielsweise bei hoher Nachfrage oder zur Netzstabilisierung. Daraus könnten sich künftig zusätzliche Einnahmequellen für Betreiber ergeben, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der Energiemärkte.
Praxisnahe Tests im Projekt SPIRIT-E
Im Rahmen von SPIRIT-E konnte MAN Truck & Bus die Technologie bereits erfolgreich im realen Betrieb testen. Dazu gehörten unter anderem das nächtliche Versorgen von Gebäuden durch E-LKW sowie das Laden von Elektrofahrzeugen direkt aus dem LKW-Speicher.
Allerdings ist der Einsatz nicht für alle Szenarien geeignet: Voraussetzung sind ausreichende Standzeiten der Fahrzeuge, etwa an Logistikdepots.
Starkes Konsortium treibt Entwicklung voran
Das Projekt wird von einem breiten Partnernetzwerk getragen. Konsortialführer ist die Technische Universität München. Weitere Beteiligte sind unter anderem Fraunhofer IEE, die Forschungsstelle für Energiewirtschaft, TenneT sowie Hubject.
Gemeinsam decken sie die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Fahrzeugtechnik über Energiewirtschaft bis hin zur Systemintegration.
E-LKW als Teil der Energieinfrastruktur
Mit SPIRIT-E zeigt MAN Truck & Bus, wie elektrische LKW künftig über ihre klassische Transportfunktion hinaus eingesetzt werden können. Als integraler Bestandteil der Energieinfrastruktur bieten sie neue wirtschaftliche Chancen und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.