Ergänzung für den schweren Güterverkehr: Der Wasserstoff-Verbrennungsmotor punktet mit hoher Robustheit und geringer Systemkomplexität.
© Daimler Truck AG
Daimler & KEYOU: Wasserstoff-Allianz
Die Daimler Truck AG und die Münchner KEYOU GmbH bündeln ihre Kräfte. Denn das gemeinsame Ziel ist die schnelle Marktreife wasserstoffbetriebener Verbrennungsmotoren. Daher sollen bereits Ende 2027 die ersten umgerüsteten LKW in den Markt starten.
Partnerschaft statt Eigenentwicklung für schnelle Marktreife
Daimler Truck untersucht die Wasserstoffverbrennung bereits seit mehreren Jahren. Für die konkrete Markteinführung setzt der Nutzfahrzeug-Riese nun jedoch auf ein Kooperationsmodell:
• Daimler Truck liefert die technische Basis in Form von bewährten Serienfahrzeugen.
• KEYOU übernimmt als Spezialist die technologische Adaption zum Wasserstoff-Verbrenner. Zudem verantwortet das Unternehmen den Umbau über externe Dienstleister.
Durch diese Arbeitsteilung optimiert Daimler Truck die Entwicklungsaufwände. Folglich ermöglicht die Partnerschaft eine schnelle Skalierung im Aftermarket. Perspektivisch planen beide Partner auch Gespräche über gemeinsame Servicestrukturen.
„Der Straßengüterverkehr braucht unterschiedliche Antriebslösungen für unterschiedliche Profile. Deswegen arbeiten wir mit KEYOU zusammen. So bringen wir die Technologie zügig auf den Markt“, betont Andreas Gorbach von Daimler Truck.
KEYOU HICE.40: Der umgerüstete Mercedes-Benz Actros L
Die technische Umsetzung folgt einem klaren Plan. Zuerst verkauft Daimler Truck Fahrzeuge vom Typ Mercedes-Benz Actros L 1848 an KEYOU. Außerdem liefert der Konzern die in Mannheim gefertigten 12,8-Liter-Motoren.
Daraus entsteht schließlich die schwere Sattelzugmaschine KEYOU HICE.40:
• Zulässiges Gesamtgewicht: 40 Tonnen.
• Leistung: Bis zu 350 kW mit einem modernen Einspritzsystem.
• Technologie: Effiziente 350-Bar-Druckwasserstoff-Technik.
• Reichweite: Bis zu 650 Kilometer mit einer Tankfüllung.
Infrastruktur und Tankstellen im Fokus
KEYOU wird die Fahrzeuge im Komplettpaket anbieten. Dieses Paket ist idealerweise an die neue H2-Tankstelleninfrastruktur gekoppelt. Deshalb unterstützt Daimler Truck den Aufbau von Stationen für gasförmigen und flüssigen Wasserstoff.
Aktuelle Wasserstoff-Verbrenner benötigen gasförmigen Kraftstoff. Allerdings ist für die Zukunft auch eine Adaption auf Flüssigwasserstoff denkbar. Diesen erprobt Daimler Truck bereits erfolgreich in seinen Brennstoffzellen-LKW.
Warum der Wasserstoff-Verbrenner eine Schlüsselrolle einnimmt
Daimler Truck verfolgt bei der Dekarbonisierung eine konsequente Doppelstrategie. Diese besteht aus batterieelektrischen und wasserstoffbasierten Antrieben.
Reine E-LKW sind ideal für planbare Routen. Die Brennstoffzelle bietet wiederum maximale Flexibilität für lange Distanzen. Dazwischen schließt der Wasserstoff-Verbrennungsmotor eine wichtige Lücke:
• Geringe Komplexität: Er ist deutlich robuster im harten Baustelleneinsatz.
• Kompakter Bauraum: Die bestehenden Fahrzeugarchitekturen verändern sich kaum.
• Kosteneffizienz: Bestehende Fabriken in Europa können direkt genutzt werden. Das stärkt den Standort langfristig.
Zudem sind die Stromnetze zunehmend ausgelastet. Daher entlastet der parallele Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur das Energiesystem. Flottenbetreiber erhalten somit eine sofort einsatzbereite Alternative für den Fernverkehr.